Schildkröten sind eine uralte Gruppe von Reptilien, die seit über 200 Millionen Jahren die Erde bevölkern und sowohl im Wasser als auch an Land vorkommen. Sie gehören zur Ordnung der Schildkröten (Testudines) und sind durch ihre charakteristischen harten Panzer bekannt, die sie vor Raubtieren schützen. Es gibt über 300 verschiedene Arten von Schildkröten, die in verschiedenen Lebensräumen rund um den Globus leben, von tropischen Regenwäldern über Wüsten bis hin zu Ozeanen und Süßwasserseen.
Der Panzer ist das auffälligste Merkmal der Schildkröten. Er besteht aus zwei Teilen: dem Carapax (Rückenschild) und dem Plastron (Bauchpanzer), die durch einen knöchernen Brückenabschnitt verbunden sind. Dieser Panzer ist nicht nur ein Schutzmechanismus, sondern auch ein integraler Bestandteil des Skeletts der Schildkröte. Viele Arten können ihren Kopf und ihre Gliedmaßen bei Gefahr vollständig in den Panzer zurückziehen.
Schildkröten haben sich im Laufe der Evolution an eine Vielzahl von Lebensweisen angepasst. Es gibt sowohl terrestrische Schildkröten, wie die berühmten Galapagos-Riesenschildkröten, die bis zu 250 Kilogramm wiegen können, als auch aquatische Arten wie die Lederschildkröte, die größte und schwerste Meeresschildkröte, die bis zu 700 Kilogramm wiegen kann. Meeresschildkröten sind vor allem für ihre langen Wanderungen bekannt, bei denen sie oft Tausende von Kilometern zwischen ihren Nist- und Futtergebieten zurücklegen.
Die Ernährung von Schildkröten variiert stark je nach Art und Lebensraum. Viele Landschildkröten sind Pflanzenfresser und ernähren sich von Gräsern, Blättern und Früchten, während Wasserschildkröten in der Regel omnivor sind und eine Mischung aus Pflanzen, Fischen, Krebstieren und Insekten fressen. Meeresschildkröten hingegen ernähren sich häufig von Quallen, Seegras und Schwämmen.
Schildkröten sind eierlegende Reptilien, und ihre Fortpflanzungsstrategien sind so vielfältig wie ihre Lebensweisen. Landschildkröten graben oft Nester im Boden, in die sie ihre Eier legen, während Meeresschildkröten an sandigen Stränden nisten. Nach dem Schlüpfen sind die Jungtiere auf sich allein gestellt, was zu einer hohen Sterblichkeitsrate in den ersten Lebensjahren führt.
Viele Schildkrötenarten sind heute durch den Verlust ihres Lebensraums, Umweltverschmutzung und den illegalen Handel stark gefährdet. Besonders Meeresschildkröten leiden unter der Verschmutzung der Ozeane, insbesondere durch Plastik, das sie oft mit Nahrung verwechseln. Auch die Jagd auf Schildkröten wegen ihres Fleisches, ihrer Eier und ihres Panzers hat in vielen Regionen zu einem drastischen Rückgang der Populationen geführt.
Trotz dieser Herausforderungen sind Schildkröten für viele Kulturen weltweit von großer Bedeutung und gelten oft als Symbole für Langlebigkeit, Weisheit und Geduld. In den letzten Jahrzehnten haben intensive Naturschutzmaßnahmen dazu beigetragen, einige Schildkrötenarten vor dem Aussterben zu bewahren. Dazu gehören Schutzprogramme für Niststrände, das Einrichten von Schutzgebieten und die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Notwendigkeit, diese faszinierenden Kreaturen zu schützen.
Weltweit sind rund 360 Schildkrötenarten bekannt, sieben davon leben ausschließlich im Meer. Mehr als die Hälfte davon gilt als gefährdet. Das ergab eine Untersuchung von 50 internationalen Schildkröten-Fachleuten unter Leitung des Biologen Craig Stanford, an der auch der Dresdner Senckenberg-Forscher Uwe Fritz beteiligt war; vor allem verlorener Lebensraum und der Fang für Nahrung und Handel setzen den Tieren zu (Stanford u. a., Current Biology, 2020). Die älteste bekannte Landschildkröte der Welt lebt bis heute: Jonathan von den Seychellen wurde um 1832 geboren und trägt diesen Rekord nach Angaben des Guinness-Buchs der Rekorde bis heute.
Die Schildkröten Familien
Landschildkröten
Landschildkröten sind terrestrische Reptilien mit einem robusten, gewölbten Panzer und kräftigen, säulenartigen Beinen. Sie bewohnen verschiedene Lebensräume, von Wüsten bis zu tropischen Wäldern, und sind hauptsächlich Pflanzenfresser, die sich von Gräsern, Blättern und Früchten ernähren. Landschildkröten sind bekannt für ihre Langlebigkeit und können in Gefangenschaft oft über 50 Jahre alt werden. Ihre Anpassungen ermöglichen es ihnen, in trockenen Umgebungen zu überleben, indem sie Wasser effizient speichern und ihren Flüssigkeitsbedarf über die Nahrung decken.
Weichschildkröten
Weichschildkröten sind eine besondere Gruppe von Schildkröten, die sich durch ihren weichen, lederartigen Panzer auszeichnen, der keine harten Hornplatten besitzt. Dieser flexible Panzer ermöglicht ihnen eine größere Beweglichkeit im Wasser. Sie bewohnen hauptsächlich Süßwasserlebensräume wie Flüsse und Seen in Asien, Afrika und Nordamerika. Weichschildkröten sind überwiegend Fleischfresser und ernähren sich von Fischen, Krebstieren und anderen kleinen Wassertieren. Ihre langen Hälse und schnabelförmigen Mäuler helfen ihnen dabei, Beute effizient zu fangen.
Schmuckschildkröten
Schmuckschildkröten, zu denen auch die Rotwangen-Schmuckschildkröte gehört, sind beliebte Haustiere und weit verbreitet in Nordamerika. Sie zeichnen sich durch ihre leuchtenden Farben und markanten Muster aus, die ihnen ihren Namen verleihen. Diese Schildkröten bevorzugen langsam fließende Gewässer mit viel Vegetation und sonnen sich gerne auf Baumstämmen oder Felsen. Sie sind Allesfresser und ihre Ernährung umfasst Pflanzen, Insekten und kleine Fische. In einigen Regionen haben ausgesetzte Schmuckschildkröten heimische Arten verdrängt und gelten daher als invasive Spezies.
Süßwasserschildkröten
Süßwasserschildkröten sind eine vielfältige Gruppe, die in Binnengewässern auf der ganzen Welt vorkommt. Sie haben oft einen flachen Panzer, der das Schwimmen erleichtert, und können sowohl im Wasser als auch an Land leben. Viele Arten verbringen den Großteil ihres Lebens im Wasser, kommen aber zum Sonnenbaden und zur Eiablage an Land. Ihre Ernährungsgewohnheiten variieren stark und können pflanzliche Kost, tierische Beute oder eine Mischung aus beidem umfassen. Süßwasserschildkröten spielen eine wichtige Rolle in ihren Ökosystemen, indem sie zur Kontrolle von Pflanzen und Insekten beitragen.
Meeresschildkröten
Meeresschildkröten sind faszinierende Reptilien, die in den Ozeanen der Welt leben und für ihre weiten Wanderungen bekannt sind. Es gibt sieben anerkannte Arten, darunter die Lederschildkröte und die Grüne Meeresschildkröte. Sie besitzen stromlinienförmige Körper und Flossen, die an das Leben im Meer angepasst sind. Meeresschildkröten kehren zur Eiablage an die Strände zurück, an denen sie geschlüpft sind, ein Verhalten, das als Natalhoming bezeichnet wird. Viele Arten sind durch Bedrohungen wie Umweltverschmutzung, Überfischung und Klimawandel gefährdet und stehen unter internationalem Schutz.
Aussehen und Eigenschaften der Schildkröte
Eine Schildkröte erkennt man an ihrem Panzer aus Carapax und Plastron, an vier kurzen Beinen mit Krallen oder Flossen und an einem zahnlosen Kiefer mit Hornschnabel. Diese Merkmale teilen alle rund 360 Arten, ob sie an Land, im Süßwasser oder im Meer leben.
Wie alle Reptilien sind Schildkröten wechselwarm: Ihre Körpertemperatur folgt der Umgebungstemperatur, weshalb sich viele Arten regelmäßig sonnen, um aktiv zu bleiben. Statt Zähnen trägt der Kiefer einen scharfen Hornschnabel, mit dem Land- und Wasserschildkröten Nahrung abbeißen und zerkleinern. Der Geruchssinn ist bei den meisten Arten gut ausgeprägt, das Gehör dagegen schwach; wahrgenommen werden vor allem tiefe Töne und Erschütterungen.
Besonders auffällig ist die Langlebigkeit vieler Arten. Ein langsamer Stoffwechsel und geringe Aktivität lassen manche Landschildkröten deutlich länger leben als ähnlich große Säugetiere. Einzelne Riesenschildkröten erreichen dabei ein Alter von deutlich über 100 Jahren, wie das eingangs genannte Beispiel Jonathan zeigt.
| Familie | Lebensraum | Ernährung | Beispielart |
|---|---|---|---|
| Landschildkröten | Wüsten bis tropische Wälder, an Land | überwiegend Pflanzenfresser | Griechische Landschildkröte |
| Weichschildkröten | Flüsse und Seen in Asien, Afrika, Nordamerika | überwiegend Fleischfresser | Chinesische Weichschildkröte |
| Schmuckschildkröten | langsam fließende Gewässer mit Vegetation | Allesfresser | Rotwangen-Schmuckschildkröte |
| Süßwasserschildkröten | Binnengewässer weltweit | Pflanzen und Tiere gemischt | diverse Arten je Region |
| Meeresschildkröten | Ozeane weltweit | je nach Art, z. B. Quallen, Seegras | Lederschildkröte |
Häufig gestellte Fragen zur Schildkröte
Wie viele Schildkrötenarten gibt es?
Weltweit sind rund 360 Schildkrötenarten bekannt. Sieben davon sind Meeresschildkröten, die übrigen Arten leben an Land oder im Süßwasser.
Was sind die Besonderheiten einer Schildkröte?
Die Besonderheit einer Schildkröte ist ihr Panzer, der fest mit dem Skelett verwachsen ist und nicht wie bei anderen Panzertieren nur eine äußere Hülle bildet. Viele Arten können Kopf und Gliedmaßen bei Gefahr vollständig einziehen, und die meisten Landschildkröten werden ungewöhnlich alt.
Wie alt können Schildkröten werden?
Schildkröten können je nach Art mehrere Jahrzehnte bis weit über 100 Jahre alt werden. Die Riesenschildkröte Jonathan von den Seychellen wurde um 1832 geboren und gilt laut Guinness-Buch der Rekorde als ältestes bekanntes Landlebewesen der Welt.
Wie sieht eine Schildkröte aus?
Eine Schildkröte trägt einen harten oder ledrigen Panzer aus Rückenschild und Bauchpanzer, vier Beine mit Krallen oder Flossen und einen zahnlosen Kiefer mit Hornschnabel. Form und Farbe des Panzers unterscheiden sich stark zwischen den Familien, von flachen, schwimmfähigen Panzern bei Wasserschildkröten bis zu hoch gewölbten Panzern bei Landschildkröten.
Quellen und Zitate
- WWF Deutschland: Schildkrötenarten, abgerufen am 12.09.2026
- Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung: Mehr als die Hälfte aller Schildkrötenarten von der Ausrottung bedroht, Pressemeldung zu Stanford u. a., Current Biology (2020)
- Wikipedia: Jonathan (Schildkröte), abgerufen am 12.09.2026
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