Die Blindschleiche (Anguis fragilis) ist eine beinlose Echse aus der Familie der Schleichen, die in West- und Mitteleuropa lebt und oft für eine Schlange gehalten wird. Sie wird meist 40 bis 45 Zentimeter lang und frisst vor allem Nacktschnecken und Regenwürmer. Die Weibchen bringen meist 8 bis 12 lebende Junge zur Welt. In Deutschland ist sie besonders geschützt.
Die Blindschleiche, wissenschaftlich bekannt als Anguis fragilis, ist eine beinlose Echse, die häufig in Europa vorkommt und oft mit einer Schlange verwechselt wird. Diese Verwechslung entsteht durch ihren langgestreckten, schlangenähnlichen Körper, obwohl sie zur Familie der Schleichen (Anguidae) gehört. Wie die Eidechsen gehört sie zu den Echsen, bildet aber eine eigene Familie. In Deutschland ist sie das häufigste Reptil und kommt in fast allen Regionen vor.
Ein markantes Merkmal der Blindschleiche ist die Fähigkeit, ihren Schwanz bei Gefahr abzuwerfen, um Fressfeinde abzulenken, ein Verhalten, das als Autotomie bekannt ist. Im Gegensatz zu Schlangen hat die Blindschleiche bewegliche Augenlider und äußere Gehöröffnungen, die jedoch durch Schuppen verdeckt sind. Blind ist sie nicht. Der althochdeutsche Name blintslîh bedeutet blinder Schleicher. In biologischer Literatur liest man oft, der Name bedeute blendende oder glänzende Schleiche, die Wortgeschichte stützt diese Deutung aber nicht.
Blindschleichen sind in einer Vielzahl von Lebensräumen anzutreffen, darunter Wälder, Wiesen und Gärten. Sie sind nützliche Tiere, da sie sich von Schädlingen wie Nacktschnecken ernähren. Örtlich setzen ihnen der Verlust von Lebensräumen, der Straßenverkehr, Mähgeräte und Schneckengift zu, bundesweit gilt die Art nach der Roten Liste aber als ungefährdet.
Fakten zur Blindschleiche
- Klasse: Reptilia
- Ordnung: Squamata
- Familie: Anguidae
- Gattung: Anguis
- Art: Anguis fragilis (Westliche Blindschleiche)
- Verbreitung: West- und Mitteleuropa, vom Norden der Iberischen Halbinsel über Frankreich und Deutschland bis ins östliche Mitteleuropa und auf den Balkan, im Norden bis Schweden, im Süden bis Süditalien
- Lebensraum: Sie bewohnt eine Vielzahl von Lebensräumen, darunter Wälder, Waldränder, Wiesen, Heiden, Böschungen, Parks, Gärten und Hecken. Sie bevorzugt pflanzenreiche Deckung und eine gewisse Bodenfeuchtigkeit.
- Maße und Gewicht: Meist 40 bis 45 cm, höchstens 57,5 cm lang, 20 bis 100 g schwer. Sie hat einen walzenförmigen Körper ohne Extremitäten.
- Fortpflanzung: Paarung Ende April bis Juni, Tragzeit 11 bis 14 Wochen, meist 8 bis 12 lebende Junge (Spanne 3 bis 20); Weibchen pflanzen sich oft nur alle zwei Jahre fort.
- Lebenserwartung: In Menschenobhut bis 46 Jahre, nach anderen Angaben bis 54 Jahre
- Gefährdung: Rote Liste Deutschland: ungefährdet; gesetzlich besonders geschützt (Bundesartenschutzverordnung, Anlage 1)
Aussehen und äußerliche Merkmale
Die Blindschleiche hat einen langgestreckten, walzenförmigen Körper ohne sichtbaren Hals oder Schwanzansatz. Die meisten Tiere werden 40 bis 45 Zentimeter lang, das größte bekannte Exemplar maß 57,5 Zentimeter. Ihr Körper ist von glatten, glänzenden Schuppen bedeckt, die in verschiedenen Brauntönen gefärbt sind, von graubraun über bronze bis kupferfarben. Die Bauchseite ist in der Regel heller. Der Kopf ist klein und geht ohne sichtbaren Hals in den Körper über.
Viele Tiere tragen einen dunklen Längsstreifen entlang des Rückens. Besonders auffällig ist er bei Jungtieren: Sie haben eine silberweiße oder goldgelbe Oberseite mit schwarzem Rückenstrich, dem sogenannten Aalstrich, und schwarze Flanken. Blaue Flecken zeigen vor allem ältere Männchen. Männchen und Weibchen sind äußerlich schwer zu unterscheiden, wobei Männchen oft kontrastärmer gefärbt sind.
Ein charakteristisches Merkmal ist die Fähigkeit, den Schwanz bei Gefahr abzutrennen, um Fressfeinde abzulenken. Die Augenlider sind beweglich, und die Gehöröffnungen sind durch Schuppen verdeckt, was sie von echten Schlangen unterscheidet.
Lebensraum von Blindschleichen
Blindschleichen sind in einer Vielzahl von Lebensräumen zu finden, darunter lichte Wälder, Waldränder, Wiesen, Heiden, Hecken, Böschungen und Gärten. Sie bevorzugen feuchte, aber nicht zu nasse Umgebungen mit reichlich Vegetation, die ihnen Schutz und Nahrung bietet. Diese Echsen sind anpassungsfähig und können auch in städtischen Gebieten überleben, wo sie in Parks und Gärten Schutz finden. Sie sind meist in der Dämmerung und am frühen Morgen aktiv und verstecken sich tagsüber unter Steinen, Holz oder Laub.
Früher fasste die Wissenschaft alle Blindschleichen Europas und Westasiens unter Anguis fragilis zusammen. Nach molekularbiologischen Studien unterscheidet man heute fünf Arten. Die Westliche Blindschleiche lebt vom Norden der Iberischen Halbinsel über Frankreich und Deutschland bis ins östliche Mitteleuropa und auf den Balkan, im Norden bis Schweden und im Süden bis Süditalien. Blindschleichen in Kleinasien gehören demnach zu anderen Arten wie der Östlichen Blindschleiche.
Verhalten von Blindschleichen
Blindschleichen sind tag- und dämmerungsaktiv und verbringen die meiste Zeit mit der Nahrungssuche und dem Sonnenbaden. Sie sind relativ langsame und steife Beweger im Vergleich zu Schlangen. Bei Bedrohung werfen sie ihren Schwanz ab, um Fressfeinde abzulenken, ein Verhalten, das als Autotomie bekannt ist. Sie ernähren sich hauptsächlich von Nacktschnecken, Regenwürmern und unbehaarten Raupen, daneben von Insekten und Spinnen. Blindschleichen sind eher scheu und ziehen sich bei Störungen schnell in ihre Verstecke zurück.
Die Art gilt als sehr ortsgebunden und verbringt viel Zeit im Boden. Während der Paarungszeit im Frühjahr sind die Männchen besonders aktiv. Zu den natürlichen Feinden zählen Schlangen, Füchse, Dachse und viele Vogelarten. In der Nähe menschlicher Siedlungen sind vor allem Hauskatzen, Hunde und Hühner eine Gefahr für Blindschleichen, dazu kommen der Straßenverkehr und Mähgeräte.
Fortpflanzung und Paarung
Die Fortpflanzung der Blindschleiche erfolgt durch Ovoviviparie, bei der die Weibchen lebende Junge zur Welt bringen. Die Paarungszeit liegt meist zwischen Ende April und Juni. Nach einer Tragzeit von 11 bis 14 Wochen gebären die Weibchen meist 8 bis 12 Jungtiere. Die Gesamtspanne reicht nach Animal Diversity Web von 3 bis 20 Jungtieren.
Die Jungtiere kommen in einer dünnen, durchsichtigen Eihaut zur Welt, die sie sofort aufreißen. Sie sind sofort selbstständig und müssen sich ohne elterliche Fürsorge zurechtfinden. Die Fortpflanzung erfolgt in der Regel alle zwei Jahre.
Haltung und Eignung für die Terraristik
Blindschleichen sind aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit und ihrer Nützlichkeit im Garten beliebte Tiere, werden jedoch selten in Terrarien gehalten. Für die Haltung im Terrarium ist ein naturnah gestalteter Lebensraum mit ausreichend Versteckmöglichkeiten, abwechslungsreicher Vegetation und einem feuchten Substrat erforderlich. Die Temperatur sollte moderat gehalten werden, mit ausreichend Sonnenplätzen, und das Terrarium sollte gut belüftet sein. Eine Ernährung mit Regenwürmern, Schnecken und Insekten ist notwendig, um ihre natürlichen Ernährungsgewohnheiten nachzuahmen. Die Haltung dieser Art erfordert Erfahrung und ein Verständnis für ihre spezifischen Bedürfnisse.
Rechtlich gilt für die Blindschleiche eine Besonderheit, weil sie eine heimische, besonders geschützte Art ist. Sie steht in Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung. Nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, wild lebende Tiere dieser Art zu fangen, zu verletzen oder zu töten und sie in Besitz zu nehmen. Wer eine Blindschleiche aus legaler Herkunft hält, etwa aus einer genehmigten Nachzucht, muss sie außerdem nach § 7 Abs. 2 Bundesartenschutzverordnung bei der zuständigen Behörde melden. Stand dieser Angaben: 13. September 2026.
Eine Blindschleiche aus dem Garten darf nicht ins Terrarium. Wer ein verletztes Tier findet, wendet sich an die untere Naturschutzbehörde oder eine Auffangstation.
Häufige Fragen zur Blindschleiche
Ist die Blindschleiche eine Schlange?
Nein, die Blindschleiche ist keine Schlange, sondern eine beinlose Echse aus der Familie der Schleichen. Anders als Schlangen hat sie bewegliche Augenlider, verdeckte Ohröffnungen und kann ihren Schwanz abwerfen.
Darf man eine Blindschleiche aus der Natur halten?
Nein, eine wild lebende Blindschleiche darf man in Deutschland nicht fangen und halten. Die Art ist besonders geschützt, und § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes verbietet Fang und Besitz wild lebender Tiere. Legal gehaltene Tiere aus Nachzucht sind bei der zuständigen Behörde meldepflichtig.
Wie alt wird eine Blindschleiche?
Eine Blindschleiche kann sehr alt werden: In Menschenobhut sind 46 Jahre dokumentiert, manche Quellen nennen bis zu 54 Jahre. In freier Natur liegt die Lebenserwartung deutlich darunter.
Wie viele Junge bekommt eine Blindschleiche?
Eine Blindschleiche bringt meist 8 bis 12 lebende Junge zur Welt, die Spanne reicht von 3 bis 20. Die Jungtiere schlüpfen bei der Geburt aus einer dünnen Eihaut, nach 11 bis 14 Wochen Tragzeit.
Quellen
- Wikipedia: Blindschleiche, abgerufen am 13.09.2026
- AG Feldherpetologie: Artensteckbrief Westliche Blindschleiche, abgerufen am 13.09.2026
- Animal Diversity Web: Anguis fragilis, abgerufen am 13.09.2026
- Bundesnaturschutzgesetz, § 44, abgerufen am 13.09.2026
- waldwissen.net: Die Blindschleiche
- BUND Hessen: Blindschleiche
- Herpetofauna Baden-Württemberg: Blindschleiche
- GBIF: Anguis fragilis
- Wikipedia: Slow worm
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