Chamäleons sind eine Familie meist baumbewohnender Echsen, die ihre Farbe wechseln, beide Augen einzeln bewegen und Insekten mit der Zunge fangen. Die Reptile Database führt im September 2026 genau 240 Arten, fast die Hälfte lebt nur auf Madagaskar. Die übrigen leben in Afrika, Arabien, Indien, Sri Lanka und Südeuropa. Chamäleons messen 22 Millimeter bis 68 Zentimeter.
Zoologisch bilden die Chamäleons innerhalb der Echsen die Familie Chamaeleonidae mit zwölf Gattungen. Die Checkliste des Herpetologen Frank Glaw zählte 2015 noch 202 Arten. Die Tiere leben überwiegend in Afrika und auf Madagaskar, einige Arten auch in Asien, in Südeuropa und auf Inseln im Indischen Ozean. Dabei haben sich die Arten an sehr unterschiedliche Lebensräume angepasst, vom tropischen Regenwald bis in Wüstengebiete.
Woran erkennt man ein Chamäleon?
Ein Chamäleon erkennt man an Augen, die sich unabhängig voneinander drehen, an einer Schleuderzunge, an zangenartigen Greiffüßen und an einem Greifschwanz. Dazu kommt die Fähigkeit, die Hautfarbe zu ändern.
- Augen: Beide Augen bewegen sich unabhängig voneinander. Das verschafft dem Chamäleon ein außergewöhnlich weites Sichtfeld, das besonders bei der Jagd hilft.
- Zunge: Die Zunge schnellt mit hoher Geschwindigkeit aus dem Maul und fängt Insekten und andere kleine Beutetiere.
- Füße: Die Füße sind zygodaktyl. Das heißt, die Zehen sind zu zwei gegenüberliegenden Gruppen verwachsen, die einen Zweig wie eine Zange umgreifen.
- Schwanz: Der Greifschwanz arbeitet wie ein fünftes Glied und gibt beim Klettern auf Ästen zusätzlichen Halt.
- Hautfarbe: Chamäleons können ihre Hautfarbe ändern, das Pantherchamäleon etwa innerhalb von ein bis zwei Minuten.
Wie wechseln Chamäleons ihre Farbe?
Chamäleons wechseln ihre Farbe, indem sie winzige Guaninkristalle in bestimmten Hautzellen enger zusammen- oder weiter auseinanderrücken. Liegen die Kristalle dicht beieinander, wirft die Haut blaues Licht zurück. Rücken sie auseinander, erscheint die Haut gelb, orange oder rot. Den Mechanismus wies 2015 ein Team der Universität Genf nach.
Die Zellen mit den Kristallen heißen Iridophoren. Das Genfer Team um Michel Milinkovitch untersuchte sie am Pantherchamäleon und veröffentlichte die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature Communications. Unter der oberen Zellschicht liegt eine zweite mit größeren, ungeordneten Kristallen. Sie wirft vor allem Infrarotstrahlung zurück und schützt die Tiere so vermutlich vor Überhitzung in der Sonne. Früher erklärte man den Farbwechsel allein mit Farbstoffzellen, den sogenannten Chromatophoren. Diese Zellen gibt es, sie liefern gelbe, rote und dunkle Pigmente, doch die schnellen Wechsel zu leuchtenden Farben entstehen erst durch die Kristallgitter.
Viele Menschen halten den Farbwechsel für reine Tarnung. Er dient aber auch der Verständigung, etwa bei der Partnersuche oder zur Abwehr von Rivalen. Männliche Pantherchamäleons wechseln innerhalb von ein bis zwei Minuten in leuchtende Farben, wenn sie ein Weibchen umwerben oder einem anderen Männchen gegenüberstehen.
Wie schnell ist die Zunge eines Chamäleons?
Die Zunge eines Chamäleons beschleunigt bei kleinen Arten mit bis zum 264-Fachen der Erdbeschleunigung. Diesen Wert maß der Biologe Christopher Anderson an einem 47 Millimeter langen Tier der Art Rhampholeon spinosus. Die Zunge dieses Tieres streckte sich auf das 2,5-Fache seiner Körperlänge. Ein Zungenschuss auf eine Grille dauert nach Angaben der Brown University rund 20 Millisekunden.
Für die Studie, die 2016 in der Fachzeitschrift Scientific Reports erschien, filmte Anderson 20 Chamäleonarten mit 3.000 Bildern pro Sekunde. Kleine Arten schnitten dabei deutlich stärker ab als große: Das Riesenchamäleon Furcifer oustaleti erreichte weniger als 18 Prozent der Spitzenbeschleunigung. Mit 14.040 Watt je Kilogramm Muskelmasse lag Rhampholeon spinosus nach Andersons Auswertung vor allen untersuchten Reptilien, Vögeln und Säugetieren. Muskelkraft allein reicht dafür nicht aus. Chamäleons speichern den größten Teil der Energie vorab in elastischem Gewebe der Zunge, das beim Abschuss auf einmal zurückschnellt.
Chamäleons messen zwischen 22 Millimetern und 68 Zentimetern
Das kleinste bekannte Chamäleon ist Brookesia nana aus dem Sorata-Massiv im Norden Madagaskars. Das 2021 beschriebene Männchen misst 13,5 Millimeter von der Schnauze bis zur Kloake und mit Schwanz 21,6 Millimeter. Die größten Arten werden rund 68 Zentimeter lang, allen voran das Riesenchamäleon (Furcifer oustaleti) mit bis zu 68,5 Zentimetern.
| Art | Größe | Vorkommen |
|---|---|---|
| Brookesia nana | 21,6 mm Gesamtlänge (Männchen), 28,9 mm (Weibchen) | Nordmadagaskar |
| Pantherchamäleon (Furcifer pardalis) | bis 50 cm (Männchen), bis 35 cm (Weibchen) | nördliche West- und Ostküste Madagaskars |
| Riesenchamäleon (Furcifer oustaleti) | bis rund 68 cm | Madagaskar |
Wo leben Chamäleons?
Chamäleons leben vor allem in Afrika und auf Madagaskar, wo fast die Hälfte aller Arten vorkommt. Weitere Arten bewohnen die Arabische Halbinsel, Indien und Sri Lanka. In Europa lebt nur das Gewöhnliche Chamäleon (Chamaeleo chamaeleon), und zwar in Südspanien, Südportugal, Süditalien, auf Malta, Zypern und mehreren griechischen Inseln wie Kreta, Chios und Samos.
Die Lebensräume reichen von tropischen Regenwäldern über Savannen bis in Wüstengebiete. Die meisten Arten sind arboreal, sie leben also auf Bäumen und Sträuchern. Einige Arten leben am Boden, vor allem die kleinen Erdchamäleons der Gattungen Brookesia und Rhampholeon, die sich im Falllaub verstecken. Durch Menschen eingeschleppte Populationen gibt es auf Hawaii und in Florida.
Ein baumbewohnendes Chamäleon mit 20 cm Kopf-Rumpf-Länge braucht mindestens 80 x 50 x 80 cm
Ein baumbewohnendes Chamäleon braucht nach dem Gutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums ein Terrarium von mindestens 4 x 2,5 x 4 Kopf-Rumpf-Längen (Länge x Breite x Höhe). Die Kopf-Rumpf-Länge misst das Tier von der Schnauze bis zur Kloake, also ohne Schwanz. Bei 20 Zentimetern ergibt das 80 x 50 x 80 Zentimeter.
Bodenlebende Arten brauchen mehr Grundfläche und weniger Höhe, nämlich 4 x 4 x 2,5 Kopf-Rumpf-Längen. Die Maße gelten für ein einzelnes Tier. Für ein Paar kommen nach dem Gutachten 20 Prozent Grundfläche dazu. Die folgenden Werte sind danach berechnet.
| Lebensweise | Formel (L x B x H) | Kopf-Rumpf-Länge | Mindestmaß |
|---|---|---|---|
| bodenlebend | 4 x 4 x 2,5 | 5 cm | 20 x 20 x 12,5 cm |
| baumbewohnend | 4 x 2,5 x 4 | 10 cm | 40 x 25 x 40 cm |
| baumbewohnend | 4 x 2,5 x 4 | 15 cm | 60 x 37,5 x 60 cm |
| baumbewohnend | 4 x 2,5 x 4 | 20 cm | 80 x 50 x 80 cm |
| baumbewohnend, Paar | 4 x 2,5 x 4, Grundfläche plus 20 Prozent | 20 cm | zum Beispiel 96 x 50 x 80 cm |
Für das Pantherchamäleon nennt ein Merkblatt des Brandenburger Ministeriums für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz aus dem Jahr 2025 mindestens 120 x 70 x 120 Zentimeter. Dort stehen auch die Klimawerte für diese Art: 24 bis 28 Grad Celsius, unter dem Wärmestrahler lokal bis 40 Grad, nachts 20 Grad, tagsüber 70 bis 80 Prozent Luftfeuchte und nachts bis 90 Prozent. Die Beleuchtung soll 10 bis 14 Stunden am Tag brennen und UV-A- und UV-B-Licht enthalten.
Für die meisten Arten verlangt das Gutachten Tagestemperaturen zwischen 20 und 30 Grad Celsius und nachts eine Absenkung um 5 bis 8 Grad. Eine Luftfeuchte über 60 Prozent brauchen danach nur die Erdchamäleons und einige Regenwaldarten. In der Chamäleon-Haltung gilt außerdem, dass die meisten Arten Einzelgänger sind. Das Gutachten verlangt deshalb verkleidete Seitenwände, damit ein Tier keinen Sichtkontakt zum Nachbarterrarium hat.
Chamäleons eignen sich laut Gutachten nicht für den Einstieg in die Reptilienhaltung. Das Bundesministerium stellt im September 2026 weiterhin die Fassung vom 10. Januar 1997 bereit. Als geeignet für Anfänger der Chamäleonhaltung kennzeichnet das Gutachten unter anderem das Jemenchamäleon (Chamaeleo calyptratus) und das Pantherchamäleon (Furcifer pardalis).
Welche Chamäleons stehen unter Artenschutz?
Alle Chamäleons stehen unter internationalem Artenschutz. Das Washingtoner Artenschutzabkommen führt die Familie seit 1977 in Anhang II, einzelne Arten wie Brookesia perarmata stehen in Anhang I. In der EU gehören Chamäleons zu Anhang B der Artenschutzverordnung, das Gewöhnliche Chamäleon und Brookesia perarmata zu Anhang A (Stand: Verordnung (EU) 2026/1383 vom 22. Juni 2026).
Das Washingtoner Artenschutzabkommen heißt international CITES und regelt den Handel mit bedrohten Tieren und Pflanzen. Für Arten in Anhang II ist der internationale Handel nur mit Genehmigung erlaubt, für Arten in Anhang I ist der kommerzielle Handel verboten. Die EU setzt das Abkommen mit eigenen Anhängen um, die teils strenger sind.
In Deutschland gelten alle Arten aus Anhang A oder B als besonders geschützt (§ 7 Abs. 2 Nr. 13 Bundesnaturschutzgesetz), Arten aus Anhang A zusätzlich als streng geschützt (Nr. 14). Wer ein Chamäleon hält, muss es deshalb nach § 7 Abs. 2 Bundesartenschutzverordnung unverzüglich bei der zuständigen Landesbehörde melden, ebenso jeden späteren Zu- und Abgang. Die Ausnahmeliste der Anlage 5 nennt keine einzige Chamäleonart. Auf Verlangen der Behörde muss der Halter außerdem die legale Herkunft nachweisen (§ 46 Bundesnaturschutzgesetz), etwa mit Kaufvertrag oder Zuchtnachweis. Stand dieser Angaben: 13. September 2026.
36 Prozent der bewerteten Chamäleonarten sind bedroht
Die Chamäleon-Fachgruppe der Weltnaturschutzunion IUCN bewertete 2014 insgesamt 184 der damals rund 200 bekannten Arten für die Rote Liste. 36 Prozent davon stufte sie als bedroht ein, zählt man die Vorwarnliste dazu, sind es 55 Prozent. Auf Madagaskar gelten 52 Prozent der Arten als bedroht.
Viele Chamäleonarten verlieren ihren Lebensraum, vor allem durch Abholzung für Landwirtschaft und Holz. Selbst am Fundort des winzigen Brookesia nana war der Wald in tieferen Lagen bei der Beschreibung der Art 2021 bereits vollständig gerodet. Dazu kommt, dass Chamäleons als Haustiere beliebt sind, und Wildfänge für den Handel können die Bestände zusätzlich schwächen. Schutzgebiete und Zuchtprogramme in Menschenobhut sind daher für den Erhalt vieler Arten entscheidend.
Häufige Fragen zu Chamäleons
Wie heißt chameleon auf Deutsch?
Das englische Wort chameleon heißt auf Deutsch Chamäleon, in der Mehrzahl Chamäleons. Der Name stammt über das lateinische chamaeleon vom griechischen chamaileon und bedeutet wörtlich Erdlöwe. Schreibweisen wie Camelion oder Cameleon sind im Deutschen falsch.
Wie viele Chamäleonarten gibt es?
Die Reptile Database, das Verzeichnis aller bekannten Reptilienarten, führt im September 2026 insgesamt 240 Chamäleonarten. Die Checkliste von Frank Glaw zählte 2015 noch 202 Arten. Seitdem wurden weitere Chamäleonarten beschrieben, darunter 2021 Brookesia nana, das kleinste bekannte Chamäleon.
Wie alt werden Chamäleons?
Chamäleons werden je nach Art meist nur wenige Jahre alt. Beim Pantherchamäleon erreichen Männchen in Menschenobhut 4 bis 8 Jahre und Weibchen 2 bis 4 Jahre, in freier Wildbahn werden die Tiere selten älter als ein Jahr. Diese Werte nennt das Brandenburger Haltungsmerkblatt von 2025.
Sind Chamäleons für Anfänger in der Reptilienhaltung geeignet?
Nein, Chamäleons eignen sich nach dem Gutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums nicht für den Einstieg in die Reptilienhaltung. Wer bereits Erfahrung mit Reptilien hat, kann mit Arten beginnen, die das Gutachten für Anfänger der Chamäleonhaltung kennzeichnet, etwa dem Jemenchamäleon oder dem Pantherchamäleon.
Tarnen sich Chamäleons mit ihrem Farbwechsel?
Chamäleons tarnen sich mit ihrer Färbung, nutzen den Farbwechsel aber auch zur Verständigung mit Artgenossen, etwa bei der Balz oder im Streit mit Rivalen. Pantherchamäleons färben sich außerdem zum Sonnenbaden dunkel. Eine dauerhaft dunkle oder sehr blasse Färbung kann bei gehaltenen Tieren auf eine Erkrankung hinweisen.
Quellen
- The Reptile Database: Suche nach der Familie Chamaeleonidae, abgerufen am 13.09.2026
- Glaw u. a. (2021): Extreme miniaturization of a new amniote vertebrate and insights into the evolution of genital size in chameleons, Scientific Reports
- Universität Genf: The chameleon reorganizes its nanocrystals to change colors, Pressemitteilung vom 10.03.2015 zu Teyssier u. a., Nature Communications
- Brown University: Tiniest chameleons deliver most powerful tongue-lashings, 04.01.2016, zu Anderson, Scientific Reports
- Bundesministerium: Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien vom 10. Januar 1997, abgerufen am 13.09.2026
- Land Brandenburg, MLEUV: Informationen zur Haltung von Reptilien, Pantherchamäleon, 1. Auflage 2025
- Species+ (UNEP-WCMC): CITES- und EU-Listung der Chamaeleonidae, abgerufen am 13.09.2026
- Mongabay: Chameleon crisis, extinction threatens 36% of world's chameleons, November 2014, zur Rote-Liste-Bewertung der IUCN SSC Chameleon Specialist Group
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