Die Würfelnatter (Natrix tessellata) ist eine ungiftige Schlange aus der Familie der Nattern (Colubridae) und gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht. Nach der Roten Liste von 2020 besiedelt sie hierzulande nur noch neun bekannte Populationen an den Flüssen Mosel, Lahn und Nahe in Rheinland-Pfalz, dazu eine seit 1999 wiederangesiedelte Population an der Elbe bei Meißen. Trotz ihres auffälligen, an Vipern erinnernden Musters ist sie für Menschen harmlos; 2009 wurde sie zum Reptil des Jahres gekürt.
Die Art ist eng an aquatische Lebensräume wie Flüsse, Seen und Baggerseen gebunden, wo sie vor allem Fische erbeutet. Weil ihr Lebensraum in Deutschland auf wenige, isolierte Flussabschnitte zusammengeschrumpft ist, zählt sie zu den am stärksten gefährdeten Reptilienarten des Landes.
Fakten der Würfelnatter
Aussehen und äußerliche Merkmale
Die Würfelnatter hat eine graue bis bräunliche Grundfärbung mit einem charakteristischen Muster aus dunklen, würfelförmigen Flecken auf dem Rücken, die oft in zwei versetzten Reihen angeordnet sind. Der Kopf ist deutlich vom Körper abgesetzt, mit großen, runden Pupillen, wie sie für ungiftige Nattern typisch sind. Die Schuppen sind glatt und verleihen der Würfelnatter ein glänzendes Aussehen. Weibchen werden mit bis zu 150 Zentimetern deutlich größer als Männchen.
Das würfelartige Fleckenmuster bringt die Würfelnatter häufig in den Verdacht, eine Giftschlange zu sein, weshalb sie gelegentlich aus Unwissenheit erschlagen wird. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu heimischen Vipern wie der Kreuzotter ist die runde Pupille; Vipern haben senkrechte, schlitzförmige Pupillen. Bei jeder unbekannten Schlange gilt trotzdem: Abstand halten und nicht anfassen.
Lebensraum der Würfelnatter
Die Würfelnatter ist eng an aquatische Lebensräume wie Flüsse, Seen und Baggerseen gebunden, wo sie reichlich Fische als Nahrung findet. Sie braucht sonnige, strukturreiche Uferzonen mit Steinen oder Totholz zum Aufwärmen und nahegelegene Verstecke für die kalte Jahreszeit, die der Schlange zugleich Deckung vor Fressfeinden bieten.
In Deutschland ist die Art auf Rheinland-Pfalz beschränkt. Nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz besiedelt sie dort inselartige Teilabschnitte der Flussauen von Mosel, Lahn und Nahe, aufgeteilt auf neun lokale Populationen: eine an der Mosel, zwei an der Lahn und sechs an der Nahe. Seit 1999 lebt zusätzlich eine wiederangesiedelte Population an der Elbe bei Meißen in Sachsen. Lebensraumzerstörung durch Siedlungs- und Verkehrswegebau, die Begradigung von Flussläufen und der Verlust naturnaher Ufer bedrohen die verbliebenen Vorkommen.
Verhalten der Würfelnatter
Die Würfelnatter ist vorwiegend tagaktiv und verbringt viel Zeit im Wasser. Sie ist eine geschickte Schwimmerin und jagt hauptsächlich Fische, gelegentlich auch Amphibien. Bei Bedrohung flacht sie ihren Körper ab und bläht sich auf, um größer zu wirken, zischt und kann aus den Postanaldrüsen ein übelriechendes Sekret absondern. Als letztes Mittel stellt sie sich auch tot, indem sie mit offenem Maul und heraushängender Zunge regungslos liegen bleibt.
Fortpflanzung und Paarung
Die Fortpflanzung der Würfelnatter erfolgt ovipar. Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr, und die Weibchen legen im Sommer 5 bis 25 Eier in geschützten, warmen Bereichen ab, etwa in verrottendem Pflanzenmaterial, dessen Zersetzungswärme die Eier zusätzlich ausbrütet. Nach etwa 2 bis 3 Monaten schlüpfen die Jungtiere, die bei der Geburt bereits vollständig ausgebildet sind und sich selbst versorgen.
Ist die Würfelnatter gefährlich für Menschen?
Die Würfelnatter ist für Menschen ungiftig und völlig harmlos. Sie besitzt keinen für Menschen gefährlichen Giftapparat, und Bisse kommen nur selten vor, meist wenn das Tier massiv bedrängt oder unsachgemäß angefasst wird. Ein Biss verursacht höchstens kleine, punktförmige Hautverletzungen, die gereinigt und beobachtet werden sollten. Die auffällige Musterung führt trotzdem häufig zur Verwechslung mit Giftschlangen.
Ist die Würfelnatter vom Aussterben bedroht?
Ja, die Würfelnatter gehört zu den am stärksten gefährdeten Reptilienarten Deutschlands. Das Rote-Liste-Gremium Amphibien und Reptilien stuft sie seit 2020 in Kategorie 1 ein, vom Aussterben bedroht, mit einem langfristig sehr starken und kurzfristig mäßigen Rückgang der Bestände. Hauptursachen sind Lebensraumzerstörung durch Siedlungs- und Verkehrswegebau, die Regulierung von Flussläufen, der Verlust naturnaher Ufer sowie Wasserkraftturbinen und das Verfugen von Mauern, die der Art als Winterquartier dienten. Als Anhang-IV-Art der FFH-Richtlinie ist die Würfelnatter streng geschützt; wildlebende Tiere dürfen nicht gefangen, verletzt oder gehalten werden.
Haltung und Eignung für die Terraristik
Die Haltung der Würfelnatter im Terrarium erfordert ein feuchtes Umfeld mit großzügigem Zugang zu Wasser, ein geräumiges Becken mit Versteckmöglichkeiten und eine Temperatur von 20 bis 25 Grad Celsius. Die Ernährung besteht überwiegend aus Fisch, ergänzt durch gelegentliche Amphibien. Aufgrund ihrer unkomplizierten Haltungsansprüche ist die Würfelnatter auch für Terrarienanfänger im Natternbecken geeignet. Gehaltene Tiere stammen ausschließlich aus Nachzucht: Der deutsche Wildbestand ist durch die FFH-Richtlinie streng geschützt, eine Entnahme aus der Natur ist verboten.
Häufige Fragen zur Würfelnatter
Woran erkenne ich eine Würfelnatter?
Eine Würfelnatter erkennst du an der grauen bis bräunlichen Grundfarbe mit zwei versetzten Reihen dunkler, würfelförmiger Flecken auf dem Rücken und an den runden Pupillen. Giftschlangen wie die Kreuzotter haben dagegen senkrechte, schlitzförmige Pupillen.
Ist die Würfelnatter giftig?
Nein, die Würfelnatter ist für Menschen ungiftig und harmlos. Ihr Gebiss ist nicht darauf ausgelegt, Menschen zu verletzen, und Bisse bleiben auf kleine, punktförmige Hautverletzungen beschränkt.
Wie groß wird eine Würfelnatter?
Eine ausgewachsene Würfelnatter wird zwischen 60 und 150 Zentimeter lang, wobei Weibchen deutlich größer werden als Männchen. Die meisten Tiere liegen im unteren bis mittleren Bereich dieser Spanne.
Wo in Deutschland lebt die Würfelnatter?
Die Würfelnatter lebt in Deutschland nur noch in Rheinland-Pfalz, an den Flüssen Mosel, Lahn und Nahe, verteilt auf neun bekannte Populationen. Seit 1999 kommt zusätzlich eine wiederangesiedelte Population an der Elbe bei Meißen in Sachsen vor.
Ist die Würfelnatter vom Aussterben bedroht?
Ja, die Würfelnatter gilt in Deutschland seit der Einstufung 2020 als vom Aussterben bedroht, der höchsten Gefährdungskategorie der Roten Liste. Hauptursache ist der Verlust naturnaher Flussufer, ihres einzigen Lebensraums.
Quellen
- Bundesamt für Naturschutz: Artenportrait Natrix tessellata (Würfelnatter), abgerufen am 11.10.2026
- Rote-Liste-Zentrum: Natrix tessellata, Einstufung 2020, abgerufen am 11.10.2026
- AG Feldherpetologie und Artenschutz: Artensteckbrief Würfelnatter (Natrix tessellata), abgerufen am 11.10.2026
- Wikipedia: Würfelnatter, abgerufen am 11.10.2026
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