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Lateinische Namen: Unverstanden-Unverzichtbar

Sinn und Zweck der wissenschaftlichen Namensgebung

Häufig erreichen uns Fragen über einen Panthergecko oder ob Elaphe guttata und Pantherophis guttatus ein und dasselbe Tier bezeichnen würden.

Beispiele wie diese, aber auch viele andere Fragen werden uns täglich gestellt und zeigen welche Aufklärungsarbeit wir noch zu leisten haben. Selbstverständlich kommen wir ihr gerne nach und stehen auch jederzeit für weitere Fragen zu Ihrer Verfügung. Gerade durch den Verkauf lebender Tiere verstehen wir es als unsere Pflicht, dem interessierten Terrarianer, ob Einsteiger oder versiertem Züchter, die Haltung und Zucht unserer Tiere zu erläutern und zu ermöglichen

Der folgende Artikel soll hier etwas Licht ins Dunkel der wissenschaftlichen Namensgebung, also der Nomenklatur oder Taxonomie bringen und das Interesse des Tierfreundes an ihr wecken. Möglichst verständlich soll dieses durchaus recht theoretische Thema etwas erläutert werden und dem Hobbyisten in der Verwendung der Nomenklatur bestärken. Dank der heute verfügbaren populärwissenschaftlichen Literatur ist es dem interessierten Tierpfleger möglich, recht einfach an qualitativ hochwertige Literatur zu gelangen. Dem Leser wird hierbei eine Fülle von Themen angeboten und er erlangt (hoffentlich vor der Anschaffung des Pfleglings) meist alle nötigen Informationen und Haltungshinweise. Die Titel sind in der Regel leicht verständlich, ausführlich und trotz zahlreicher Fachbegriffe auch für den Neuling geeignet. Gerade hier stoßen wir zwangsläufig auf lateinische Bezeichnungen, die zum Teil bereits im titel erscheinen.

Die zoologische Nomenklatur dient der Benennung der Tiere und dient als ein System wissenschaftlicher Namen, zur Einordnung aller (lebenden oder fossilen) Tiere.

Warum wird also diese binäre Nomenklatur benötigt und wie funktioniert sie? Die Bezeichnung einer Tierart besteht aus zwei Namen, (daher spricht man von einem binären System) die eine einmalige Kombination bilden, zumindest jedoch durch ihre Einordnung in das Taxonomische System, Verwechslungen ausschließen soll. Ferner werden Tiere natürlich mit einem Trivialnamen in Landessprache tituliert. Dieser Name findet in der Wissenschaft keine Verwendung. Einige Tiere tragen oftmals keinen deutschen Trivialnamen oder werden durch ihn nur unzureichend erläutert. Hin und wieder tragen ähnliche Arten gleiche Trivialnamen oder eine Art mehrere. Hinzu kommen länderübergreifende Differenzen. Im englischsprachigen Raum werden Vogelspinnen keinesfalls „Birdspider“ genannt. Im deutschsprachigen Raum versteht man jedoch unter der englischen „Tarantula“ keine Vogelspinne sondern eine Tarantel, die mit Vogelspinnen verwandt ist.

Der angesprochene Panthergecko könnte neben dem Leopardgecko Eublepharis macularius auch einen Tokeh Gecko gecko bezeichnen.
Diese beiden Arten erfordern durchweg unterschiedliche Haltungsbedingungen und stammen von unterschiedlichen Kontinenten. In diesen Fällen hilft uns nur der wissenschaftliche Name weiter. Es ist also zweckmäßig, sich an die lateinischen Namen zu gewöhnen und sie anzuwenden.

Carl von Linné legte den Grundstein zur binären Nomenklatur. 1758 erschien seine Systema Naturae in der zehnten Auflage. In dieser stellt Linné die beschriebenen Organismen in der binären (binominalen) Schreibweise dar. Jeder Organismus soll einen Gattungsnamen und einen genauer beschreibenden Artnamen erhalten. Die Zuordnung der Tiere erfolgt in einer Art Stammbaum, also einem hierarchischem System. Hier werden die Tierarten durch Klassifikation immer genauer abgegrenzt, bis dieser Stammbaum letztendlich bei der Art oder Unterart endet. Dieses System ist bis heute gültig. Die Einordnung der Tierarten erfolgt nach evolutionären Gesichtspunkten und verdeutlicht verwandtschaftliche Verhältnisse der Tierarten zueinander. Die wissenschaftliche Artbezeichnung setzt sich aus lateinischen und latinisierten oder griechischen Wortstämmen zusammen. Hierbei wird meist versucht, für eine Tierart (bzw. einen Organismus) oder Tiergruppe treffende, sowie eindeutige oder ein Merkmal bezeichnende Begriffe zu verwenden Hierbei kann auf anatomische Gegebenheiten, die Herkunft, Verhaltensweisen oder ähnliche Charakteristika angespielt werden. Die Benennung einer Tierat erfolgt nach festgelegten Grundsätzen der zoologischen Nomenklaturregeln und bedarf umfangreicher Kenntnisse.
Die einzelnen Unterteilungen dieses Systems werden als Taxon bezeichnet und sind nach internationalen Nomenklaturregeln festgelegt.
Ein Taxon ist eine Gruppe von Organismen, die sich durch gemeinsame Merkmale vollständig beschreiben und von anderen Gruppen unterscheiden lässt. Einzeller unterscheiden sich von Mehrzellern bereits durch die Anzahl ihrer Zellen.
Wirbeltiere wie Säugetiere von Wirbellosen wie Insekten durch den Körperbau.

Die Taxa werden wie folgt in ihrer Wertigkeit eingeordnet und benannt:
Reich – Unterreich – Abteilung – Stamm – Unterstamm – Klasse – Ordnung – Zwischenordnung – Unterordnung – Überfamilie – Familie – Unterfamilie – Gattung – Untergattung – Art – Unterart

Bei den Zuordnungen sind nicht unbedingt alle Taxa erforderlich. Meist ist bspw. eine Untergattung wie sie bei der Gattung Varanus existiert, nicht vorhanden. Wird sie jedoch aufgeführt, steht sie nach dem Gattungsnamen in Klammer:

Varanus (Odatria) acanthurus
BOULENGER, 1885 – Stachelschwanzwaran

Varanus (Polydaedalus) exanthematicus
BOSC, 1792 – Steppenwaran.

Sie wird jedoch zu einer eindeutigen Bezeichnung kaum benötigt.
In der Regel ist die Art oder Unterart die Gemeinschaft aller Individuen, die eine Fortpflanzungsgemeinschaft bilden. Meist sind Hybridisierungen verschiedener Unterarten, Arten oder Gattungen möglich, sie müssen jedoch in der Terrarienhaltung vermieden werden, um reine Zuchtlinien zu erhalten. Die Arten innerhalb einer Gattung sind recht nahe miteinander verwandt. Nahe verwandte Gattungen werden in einer familie zusammengefasst. Verwandte familien in Ordnungen. Die Zuordnung endet im entsprechenden Reich. Für Tiere gilt das Tierreich.
Die Taxonomie unterliegt einem stetigen Wandel. Durch werden Tierarten und Gattungen, zum Teil ganze Familien aufgrund neuer Erkenntnisse verschoben oder aufgelöst. Es können aber auch neue entstehen. Hierdurch lernen wir die Zusammenhänge der Natur besser verstehen, jedoch führt jede Veränderung zu starken Kontroversen und letztendlich zu Unklarheiten unter den Hobbyisten. Gerade weit verbreitete Bezeichnungen wie Elaphe guttata werden noch lange Zeit unter diesem Namen zu finden sein, da sich unter der neuen Bezeichnung Pantherophis guttatus der wenig Belesene oder Interessierte kaum etwas vorstellen kann. Wie kommt es also zu diesen Veränderungen?
Hierzu ein Beispiel:

Im Folgenden wird die ehemalige Stellung der Kornnatter erläutert:

 Ordnung Serpentes (Schlangen)
 Unterordnung Alethinophidia
 Überfamilie Colubroidea (Natternartige)
 Familie Colubridae (Nattern)
 Gattung Elaphe (Kletternattern)
 Art Elaphe guttata (Kornnatter

 

 

 

 

 

Die Kornnatter zählte innerhalb der Familie der Nattern mit ihren ca. 1650 Arten in etwa 300 Gattungen zur Gattung der Kletternattern. Sie beinhaltete Nattern, die sich durch eine markante Bauchbeschuppung auszeichnen. Die Bauchschilder sind an den Seiten umgebogen und bilden an den Seiten eine Kante. Hierdurch ist es Kletternattern möglich, selbst an steilen Flächen  wie Baumstämmen oder Felswänden empor zu klettern. In der Gattung der Elaphe befanden sich über 30 Arten aus Europa, Asien und Amerika. Man spricht im Falle einer solchen Gattung von einer unnatürlichen Gattung, da eine gemeinsame Zugehörigkeit unwahrscheinlich erscheint. Das Taxon Gattung umfasst also eine zu genaue Umschreibung der Tiere, um eine Fülle von Arten eines solchenVerbreitungsgebietes zu einer Gattung zu zählen.
Aufgrund genetischer Analysen, vergleichender Untersuchungen der Beschuppungsmerkmale (Pholidose), der Knochenmerkmale (Osteologische Merkmale), Hemipenisstrukturen (männliche Begattungsorgane) und anderer Untersuchungen, erfolgte eine Revision der Gattung der Kletternattern.

Folglich werden ihre Arten derzeit folgenden Gattungen zugewiesen:
Euprepiophis, Oreophis, Orthriophis, Pantherophis, Pseudelaphe, Rhinechis, Gonyosoma, Senticolis, Bogertophis, Coelognathus, Oocatochus, Zamenis und Elaphe

Die Gattung Pantherophis beinhaltet nun die nordamerikanischen Kletternattern. Hierzu gehört neben der Kornnatter auch die Erdnatter Pantherophis obselatus. Da das Wort Elaphe (Etymologie: griechisch: – elaphos – Hirsch, bezogen auf die einem Geweih ähnelnde Kopfzeichnung) feminin ist, enden die adjektivischen Art- und Unterartnamen auf „a“.
Benennungen, die auf eine Widmung im personenbezogenen Sinn zurückzuführen sind, enden auf „i“ bzw. „ii“. Beispielsweise Elaphe moellendorffi, die Blumennatter. Der Gattungsname Pantherophis (Etymologie: lateinisch – panthera – Panther, Ophis – Schlange) hingegen ist männlich. Daher bedarf es einer Umwandlung der Art- und Unterartnamen. Diese müssen nun auf  „us“ enden. Somit wird aus Elaphe guttataPantherophis guttatus. Widmungen bleiben nach wie vor unverändert. Im Folgendeneine kurze Auflistung der bekannteren Kletternattern und deren neue Bezeichnungen:

alte Bezeichnung neue Bezeichnung Übersetzung
Elaphe guttata Pantherophis guttatus Kornnatter
Elaphe obsoleta Pantherophis obsoletus Erdnatter
Elaphe oxycephala Gonyosoma oxycephalum Spitzkopfnatter
Elaphe mandarina Euprepiophis mandarinus Mandarinnatter
Elaphe moellendorffi Orthriophis moellendorffi Blumennatter
Elaphe taeniura Orthriophis taeniurus Schönnatter
Elaphe helena Coelognathus helenus Ind. Schmucknatter

 

 

 

 

 

 

 

Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich diese Änderungen in der Literatur und vor allem im Handel durchgesetzt haben. Ebenfalls sind die Meinungen unter den Herpetologen (Wissenschaftler, die sich mit Reptilien und Amphibien befassen) noch geteilt. Dieser Umstand führt zu unterschiedlichen Angaben in der Literatur. So findet sich in neuen Veröffentlichungen über die Viezehen Landschildkröte das Taxon Testudo horsfieldii zeitgleich mit Agrionemys horsfieldii.

Wissenschaftlich korrekt werden die Gattungs- Art- und Unterartbezeichnungen kursiv geschrieben, höhere Stufen nicht. Nach dem Art- oder Unterartnamen folgt der Familienname des Erstbeschreibers in Großbuchstaben gefolgt von einem Komma und der Jahreszahl der Erstbeschreibung. Der Name des Erstbeschreibers mit dem Datum der Erstbeschreibung ist in Klammern zu setzen, wenn die Art durch eine Revision in eine andere Gattung gestellt wurde. Eine Tierart kann nach bestimmten Eigenschaften benannt werden. Es zeigt sich schnell, dass der Trivialname nichts mit der lateinischen Bezeichnung zu tun haben muss und sogar nur als Modewort verwendet wird. Speziell Farbmutationen zeigen dieses Phänomen. Lampropeltis getula californiae (Kalifornische Kletternatter) ist in aller Regel geringelt. Ein längsgestreiftes Tier wird jedoch als „Gestreifte Königsnatter“ zu finden sein. Es handelt sich aber um ein und die selbe Königsnatternart. Natürlich gibt es noch unzählige weitere Regeln und Begriffe, die diesen Artikel bei weitem sprengen würden. Jedoch wurde hiermit dem ein oder anderen möglicherweise das Verständnis und die Wichtigkeit der Thematik näher gebracht, womöglich das Interesse an der Taxonomie geweckt und es bleibt zu hoffen, dass die neuen Erkenntnisse angewendet werden.

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